Chronik des TV Nebringen  / Internet

(Streifzug durch die Vereinsgeschichte)

Gegründet im Jahr 1924 kann der Turnverein Nebringen auf eine weit über 80 Jahre währende Vereinsgeschichte zurückblicken. Nachfolgend Auszüge von einigen wichtigen Stationen des Vereins.

 

1922          Erste zarte Bemühungen des Sporttreibens unternahmen 1922 einige junge Männer aus Nebringen, die den Weg nach Nagold in die Sattlerei von Ernst Braun unternahmen, um dort einen Fußball zu erwerben. Schon damals wurde auf einer Wiese entlang der Sindlinger Straße, vielleicht schon auf dem heutigen Sportgelände, das eine oder andere Spiel gegen Mannschaften aus der Nachbarschaft ausgetragen. Unterstützt wurden diese jungen Männer von dem als Lehrreferendar in Nebringen tätigen Eugen Gaiser. 

 

 

 

 

 

 

Eugen Gaiser, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1974, war in den Anfängen des Turnvereins ein großer Förderer und Mentor der Turnbewegung in Nebringen.


1924        
Die jungen Nebringer, die fast anderthalb Jahre lang Fußball gespielt hatten, entschlossen sich im Jahr 1924 allerdings zur Gründung eines Turnvereins. Die Turnbewegung stellte sich in diesen 20er Jahren auch aufgrund ihres akkuraten Erscheinungsbildes mit weißen Turnanzügen als die stärkere Bewegung heraus. Am 15. März gründeten 13 Mitglieder den TV Nebringen, der 21 Jahre alte Eugen Gaiser wurde zum Vorsitzenden gewählt. Am 1. April 1924 folgte im Saal des Gasthauses „Rappen“ eine Eröffnungsfeier mit Theaterspielen und dem Aufbau von Pyramiden.

Eine der ältesten existierenden Vereinsaufnahmen des TV Nebringen wurde im Archiv von Ehrenmitglied Ernst Büchsenstein gefunden. Sie zeigt die aktiven Turner und Turnerjugend des TV Nebringen vermutlich im Jahr 1925. Die Aufnahme entstand im Photostudio Krayl in Kayh. Interessant ist die Vereinstafel im Hintergrund (Bildmitte), die noch die Abkürzung „Turn- und Sportver. Nebringen“ als Namen trägt. Neben dem Zeichen der Deutschen Turnerschaft ist der Vereinsruf der Turner „Gut Heil“ eingraviert.

 

1927/28          Der junge Verein nimmt im Jahr 1927 an zahlreichen Turn- und Leichtathletik-Wettkämpfen teil. Doch mit dem Ende des Jahres zeichnet sich mit dem angekündigten Abschied von Eugen Gaiser – er hat nach drei Jahren Wartezeit endlich eine Lehrerstelle in Weilheim (Kreis Balingen) bekommen – eine erste Zäsur ab, Schriftführer Gottlieb Weippert im Protokollbuch: „Er war ein eifriger Förderer unserer Sache und wir werden es jetzt erst einsehen, was er für unseren Verein geleistet hat“. Bei seiner Verabschiedung am 5. Januar 1928 wird der 25-jährige Eugen Gaiser zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In den Folgejahren trat Gaiser bei überregionalen Turnwettkämpfen immer wieder für seinen alten Heimatverein an.

1930          In einer Versammlung unter Beteiligung von 35 Mitgliedern wird am 7. November ein Team zusammengestellt, das zwei Tage später in einem Handball-Wettspiel gegen Remmingsheim antreten sollte. Das ist die erste Erwähnung des Handballsports in den Vereinsprotokollbüchern. Durch das Handballspeil wurde auch die Frage einer Erweiterung des bisher in kleinen Parzellen erworbenen Sportgeländes „Im Rosengarten“ notwendig, Protokolleintrag: „Von jeher wurde schon erkannt, dass unser Sportplatz viel zu klein war und wenn man durch das Handballspielen in Bewegung kommt, merkt man es erst recht.“ Beim Spiel in Remmingsheim, so beschloss die Versammlung, sollte „in einem neuen Kickerssport Blau-Weiß“ angetreten.
 

1933         Die veränderten politischen Verhältnisse in Deutschland machen auch vor dem Turnverein nicht Halt. Im Zuge der Gleichschaltung der Vereine durch die Nationalsozialisten wurde am 16. November eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten, in der der Vereinsvorsitzende Martin Bräuning die nun geltenden Richtlinien bekannt gab. Zum Beispiel verschwand der Wahlspruch der Turner „Frisch – Fromm – Fröhlich – Frei“ und der alte Turngruß „Gut Heil“ wurde durch „Heil Hitler“ ersetzt. Aus Vereinsvorsitzenden wurden „Vereinsführer“ und Jugendbetreuer wurden zu „Jugendführern“ ernannt. Bräuning versucht die Gleichschaltung so diplomatisch wie möglich zu lösen und ermahnte seine Vereinskollegen: „Einig, einig lasst uns bleiben...“

 

 

 

 

 

 

Mit wenigen Unterbrechungen leitete Martin Bräuning über 20 Jahre lang die Geschicke des TV Nebringen. Als Vereinsvorsitzender ab dem Jahr 1931 lavierte er den Club mit viel Geschick durch eine schwierige Zeit und wurde für diese Verdienste im Jahr 1953 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.


1939         
In den Vorjahren gingen die Vereinsaktivitäten merklich zurück, obwohl sich der TV Nebringen mit der ebenfalls in Nebringen agierenden Hitlerjugend und dem Bund Deutscher Mädchen zu arrangieren wusste. Dennoch macht vermutlich Martin Bräuning am 22. März den letzten Protokolleintrag über eine Ausschuss-Sitzung – bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches am 8. Mai 1945 ist wenig bekannt. Aus mündlichen Überlieferungen weiß man aber, dass jugendliche Mitglieder spontane Handballspiele vereinbarten oder an Sportfesten teilnahmen vor allem Jungmädchen und BdM-Mädchen aus Nebringen waren hier aktiv.

1945          Erstaunlicherweise wurde das erste Handballspiel der Nebringer berits schon am 25. Juni ausgetragen und zwar in Öschelbronn. Dort gewann das Nebringer Team mit 19:6 Toren. Insgesamt wurden im Jahr 1945 schon wieder zwölf Spiele ausgetragen. Aber Turnen blieb strikt verboten. Viele Vereine, die den „Turn“-Zusatz im früheren Vereinsnamen hatten, mussten unter neuem Namen eine Lizenz beantragen, 1946 formierte sich der Verein deshalb neu als „Sportgemeinschaft Nebringen“.

1951          Der 110 Mitglieder umfassende Verein machte im Großfeldhandball von sich reden und erreichte die Staffelmeisterschaft in der Kreisklasse 1 des Handball-Sportkreises Stuttgart vor dem VfB Stuttgart, allerdings scheiterte der TVN in den Aufstiegsspielen.

1952          Der größte Vereinserfolg gelang im Spieljahr 51/52. Obwohl man wegen der Platzerweiterung an der Sindlinger Straße auf den Sportplatz in Gültstein ausweichen musste, blieb der TVN bei sechs Aufstiegsspielen viermal unge-schlagen, ein Spiel endete remis, eins wurde verloren. Damit war der Aufstieg in die Bezirksklasse geschafft, vier Spieljahre lang von 53/54 bis 1957 (ab 1956 war das Kalenderjahr auch Spieljahr) gehörte Nebringen dieser überregionalen Spielklasse an, war mithin die beste Handballmannschaft im Oberen Gäu.

Dieses Team begründete die Glanzzeit des Nebringer Handballs zu Beginn der 50er-Jahre. Nach dem zweimaligen Gewinn der Kreismeisterschaft gelang dem Team um Sportwart Walter Zipperer (ganz rechts im Anzug) der Aufstieg in die überregionale Bezirksklasse.


1953         
Martin Bräuning, der über 20 Jahre die Vorstandschaft inne hatte, gab sein Amt ab. Da er es glänzend verstand, den Verein seit 1931 durch schwierige Zeiten zu lavieren, wurde er am 10. Januar zum Ehrenvorsitzenden ernannt, mit Sitz und Stimme im Vereinsausschuss.

1957/58          Nach der Sportplatzerweiterung ging der Verein daran, endlich ein eigenes Sportheim zu erstellen. Am 29. Juni 1957 wurde Richtfest gefeiert, die Einweihung erfolgte am 19. und 20. Juli 1958 mit einem Handballturnier, Fackelzug, der Kapelle des Musikvereins Bondorf, dem Gesangverein „Frohsinn“ Nebringen und der Tanzkapelle „Berg-Echo“.

1967          Der Großfeldhandball war im südlichen Kreis Böblingen auf dem absteigenden Ast. Immer mehr Nachbarvereine stellten den Handballspielbetrieb ein und da auch seit Mitte der 60er-Jahre vermehrt Fußballspiele (zunächst von Betriebsmannschaften) auf dem Nebringer Sportplatz ausgetragen wurden, kam es in der Ausschuss-Sitzung am 22. Juli zur Kardinalfrage, ob der TVN sofort auf den Fußballsport umstellen soll. Schriftführer Kurt Niethammer vermerkte im Protokollbuch: „Somit waren elf Stimmen für Fußball und zwei Enthaltungen. Nun wurde es ziemlich ruhig und man merkte, daß diese Entscheidung nicht leicht war.“
 

1973          Der TV Nebringen entdeckte den Breitensport und trug am 15. April seinen ersten Volksmarsch unter dem Dach des Internationalen Volkssport-verbandes (IVV) aus. Zur Premiere waren über 3500 Wanderer in und um Nebringen unterwegs. Bis 2001 veranstaltete der TVN, vornehmlich Anfang Februar, jährlich einen solchen Volkswandertag. 
 

1975          Im September wurde die Tennisabteilung gegründet, bereits zwei Jahre später waren fast in Eigenregie zwei Tennis-Rotsandplätze erstellt. Da der Hartplatz bei der Nebringer Grundschule für Kleinfeld-Handballspiele nicht mehr zugelassen wurde, erstellte die Handballabteilung unter der Bauleitung von Gerhard Schittenhelm einen Hartplatz auf dem Sportgelände. Vom 20. bis 23. Juni wurde der neue Tennenplatz eingeweiht, fast 20 Jahre lang bis 1994 müssen die Kicker auf dem eher ungeliebten roten Untergrund ihre Fußballspiele austragen. 
 

1978          Mit der im Oktober 1977 neu eingeweihten Sporthalle Gäufelden erfuhr auch der Handballsport im TV Nebringen einen kräftigen Aufschwung, im August wurden vier Jugend- und vier Aktivenmannschaften angemeldet, darunter auch eine Frauenmannschaft.
 

1979         Die Fußballer bejubelten den ersten Meisterwimpel für die I. Mann-schaft, das Team um Spielertrainer Rudi Müller stieg in die Kreisliga A auf. Da auch die neu gebildete Frauen-Handballmannschaft auf Anhieb den Meisterwimpel holte, wurde im Juli eine gemeinsame Meisterschaftsfeier in der Sporthalle Gäufelden abgehalten. 
 

1983         Robert Egeler bot erstmals ein Kinderturnen im TV Nebringen an. Die Keimzelle für das spätere Kinderfest des TVN und die Wiedergründung der Turnabteilung im Jahr 1989.  Der Sportheimneubau wurde geplant, ebenfalls das 60-jährige Jubiläum des Vereins im Jahr 1984 im großen Stil vorbereitet. Am 10. September erfolgte die letzte Einkehr im alten Sportheim.
 

1985          Mit einem mehrwöchigen Sportprogramm vom 21. Juni bis zum 7. Juli wurde das neue Sportheim eingeweiht, das am 2. März bereits seinen Betrieb aufnahm. Aufgrund einer Pflichtarbeitsregelung leisteten über 210 erwachsene Mitglieder weit über 9000 Arbeitsstunden ab. 
 

1987          Die Abteilungen wurden zukünftig finanziell selbstständig im TVN geführt. Eine neue Satzung wurde erst im zweiten Anlauf, bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, verabschiedet.
 

1988          Die erste Fußballmannschaft schaffte mit Trainer Karl Gauß (Nagold) den Wiederaufstieg in die Kreisliga A.
 

1994          Das jahrelange Ringen der Fußballer, um wieder auf einem satten Grün dem runden Leder hinterher jagen zu können, war beendet: Vom 16. bis 19. Juni wurde ein neuer Rasenplatz gebührend eingeweiht, ein zweiter Platz kam im Jubiläumsjahr 1999 zum 75-jährigen Vereinsbestehen hinzu. Um Personalprobleme im Nachwuchsbereich zu lösen, schlossen sich der TGV Reusten und der TV Nebringen zur Handball-SG Nebringen/Reusten zusammen. Ab dem Spieljahr 1997/98 wurden auch die Jugendmannschaften ab der C-Jugend gemeinsam geführt. 
 

1995          Unter Spielertrainer Klaus Wanner erreichten die Fußballer des TV Nebringen zum dritten Mal einen Meistertitel in der Kreisliga B. Für den Abteilungsleiter und Spieler Claus Egeler war es im Laufe seiner 20-jährigen Karriere die dritte Meisterschaft nach 1979 und 1988.

Insgesamt drei Meistertitel heimste die 1967 gegründete Fußballersparte für den TV Nebringen ein. Hier das letzte Meisterteam aus dem Spieljahr 1994/95 mit Spielertrainer Klaus Wanner.


1996         
Die seit Jahren aus allen Nähten platzende Tennisabteilung konnte im Juli zwei neue Rotsandplätze einweihen, passend dazu errang die Herren-mannschaft erstmals seit Vereinsgründung den Meistertitel in der untersten Spiel-klasse. Ein Jahr später konnte Abteilungsleiter Albrecht Schittenhelm auch die seit über zwei Jahrzehnten geführte Warteliste für Neu-Eintritte endgültig ad acta legen.

 

1997          Am 5. April ging eine Ära im TV Nebringen zu Ende, als der 54-jährige Fritz Woisetschläger nach 17 Jahren als Vorsitzender des TVN sich aus dem Amt verabschiedete. Er wurde von Turnabteilungsleiter Robert Egeler zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt.

 

 

 

 

Als ständiger Motor der Vereinsarbeit erwies sich ab Ende der 60er-Jahre Fritz Woisetschläger. Bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 1997 stand er dem Verein 17 Jahre lang vor und wurde damit nach Eugen Gaiser und Martin Bräuning zum dritten Ehrenvorsitzenden der Vereinsgeschichte ernannt.


2007         
Am 28. April erreichte ein einmaliger Erfolgsweg seinen Höhepunkt. Die Frauenhandballmannschaft der SG Nebringen/Reusten machte unter der Führung von Trainer Georg Lorch (Dußlingen) mit dem zweiten Sieg im Aufstiegs-spiel bei der SG Schorndorf den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga perfekt. Diesem größten Erfolg in der SG-Geschichte ging eine akribische Aufbau-arbeit von Jürgen Böckle (Reusten) in der weiblichen Jugend und eine Erfolgsserie mit zwei Meistertiteln in Bezirks- und Landesliga unter Trainer Robert Volk (Kuppingen) voraus.

Den sportlichen Höhepunkt erlebte die im Jahr 1994 gegründete Handball-Spielgemeinschaft Nebringen/Reusten Ende April 2007. Mit Trainer Georg Lorch schaffte die Frauenmannschaft in zwei gewonnenen Aufstiegsspielen über die SG Schorndorf den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga. Über 250 mitgereiste Fans aus Gäufelden und Ammerbuch bejubelten den großen Erfolg in der Schorndorfer Grauhalde-Sporthalle.


2008         
Zu Beginn des Jahres nahm die Geschäftsstelle des Vereins in der Bahnhofstraße ihren Betrieb auf. Pech: Im Relegationsspiel scheiterte die junge Nebringer Fußball-Mannschaft des TV Nebringen mit 2:3 Toren nach Verlängerung am A-Ligisten TV Gültstein. 500 Zuschauer verfolgten das Scheitern des B-Liga-Vizemeisters auf neutralem Platz in Deufringen.

2009          Im Februar ging die neu gestaltete Internet-Seite des TV Nebringen unter der Adresse www.tv-nebringen.de  online.

 

Am 19. Juli 2009 feierte die Turnabteilung des TV Nebringen ihr 20-jähriges Bestehen unter dem Motto "Kinderturnen on Tour", eine phantastische Kinderturn-Welt auf Rädern, in der Kinder die Möglichkeit haben, sieben Kontinente zu erkunden und sie mit allen Sinnen zu erleben.



Andreas Gauß, Referent für Öffentlichkeitsarbeit 

  

Bilder: TVN-Archiv, Birgit Egenter

 

2010

Auf der Hauptversammlung am 17.4.2010 wurde die neue Satzung des TV Nebringen verabschiedet. Die Satzung wurde komplett überarbeitet, u.a. wurden Bestimmungen zum Datenschutz aufgenommen. 

2011

In der Tennisabteilung wurde erstmals eine Spielgemeinschaft mit dem TC Gäufelden durchgeführt. Neues enthält immer Chancen, aber auch Risiken. So wurde die Spielgemeinschaft natürlich auch teilweise skeptisch betrachtet. Nach der ersten gemeinsamen Spielzeit kann jedoch gesagt werden, dass das ein Schritt in die richtige Richtung war und die Fortsetzung in beiderseitigem Interesse ist.

2012

Am 15.September 2012 veranstaltete die Abteilung Turnen ihren ersten Sport- und Gesundheitstag in der Sporthalle Gäufelden. Es wurden die Angebote der Abteilung Turnen vorgestellt, dazu gab es weitere Informationen aus den Bereichen Gesundheit und Fitness.

 

Andreas Gauß / Axel Schneider

Bilder: TVN-Archiv, Birgit Egenter

2014 - 90 Jahre TV Nebringen